GECATS - Deutsche Gesellschaft für Katalyse
Mehrere 10.000 Chemikalien sind täglich im Gebrauch. Dazu zählen auch viele komplex aufgebaute organische Verbindungen, z.B. Wirkstoffe aus Medikamenten. Viele davon sind biologisch schlecht abbaubar und werden mit herkömmlichen Verfahren in der Kläranlage nicht entfernt. Eine Möglichkeit, solchen Spurenstoffen zu Leibe zu rücken, ist die photokatalytische Abwasserreinigung. Im Idealfall genügen ein geeigneter Photokatalysator und das Sonnenlicht - darüber hinaus werden weder Chemikalien noch Energie benötigt.
Als Katalysatoren kommen zum Beispiel Eisenverbindungen oder Titandioxid zum Einsatz. Unter Lichteinwirkung bilden sich an der Katalysatoroberfläche aus gebundenen Wasser- und Sauerstoffmolekülen Hydroxyl- und Perhydroxyl-Radikale. Das sind sozusagen unvollständige Molekülbruchstücke, die sehr reaktionsfreudig sind und besonders organisch Verbindungen angreifen. Die großen organischen Moleküle werden durch die Reaktionen mit den Radikalen in kleinere Bruchstücke zerlegt, die in der Regel keine nachteiligen Wirkungen mehr haben und von Mikroorganismen leichter weiter abgebaut werden können.
Moderne Photokatalysatoren benötigen dafür nicht nur UV-Licht, sondern können auch mit sichtbarem Licht arbeiten. Geeignete Farbstoffe sorgen dafür, dass eine möglichst große Bandbreite an Wellenlängen genutzt wird. Ist der Photokatalysator dann noch auf einer Oberfläche fixiert, so dass er anschließend nicht extra abgetrennt werden muss, hat man ein effizientes und umweltfreundliches Abwasserreinigungssystem. Funktioniert übrigens auch zur Reinigung von Dachziegeln und Pflastersteinen!
Hier erfährt man mehr darüber.
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Ein Enzym ist doch ein wunderbares Ding, das vielfach nützlich sich gestaltet, denn wo sein sanfter Segen waltet, bewirkt es, was sonst kaum gelingt. Verdauen hilft es Bier und Schweinebraten, die Wäsche reinigt es von vielem Schmutz, vor mancher Krankheit bietet es uns Schutz in einer von Millionen Arten. Zu heiß sollt' es ihm niemals werden, auch Säure führt schnell zu Beschwerden, dann kringelt sich's verkehrtrum ein. Drum muss man's pfleglich stets behandeln, sonst wird sich's unumkehrbar wandeln und stellt die Arbeit völlig ein. |

Dass manche Enzyme bei erstaunlich hohen Temperaturen noch arbeiten, haben wir schon einmal erwähnt. Der Forschungskreis der Ernährungsindustrie e.V. stellt in seinem aktuellen Projekt des Monats nun Enzyme vor, die in der Kälte aktiv sind. Sie stammen aus einem Bakterium, das im Polarmeer lebt, und schätzen Temperaturen zwischen 5 und 20°C. Für die Ernährungsindustrie sind sie interessant, weil sie das Chitin in den Zellwänden von Schimmelpilzen auflösen können. So verhindern sie das Wachstum von Schimmelpilzen bei Raumtemperatur und sogar im Kühlschrank. Solche Chitinasen verändern die Qualität und den Geschmack des Lebensmittels nicht und sind gesundheitlich weitgehend unbedenklich.
Eine ausführliche Beschreibung des laufenden Projekts gibt es hier

Ostwald? Ach ja, ein Leipziger Physikochemiker, bekam 1909 den Nobelpreis für seine Forschungen zur Katalyse.
Viele andere Fakten aus Ostwalds Leben sind allerdings weniger bekannt: So war Ostwald 1905 der erste "Austauschprofessor" und verbrachte ein halbes Jahr in Harvard. Auch beschäftigte er sich keineswegs nur mit physikalischer Chemie; seine Interessengebiete waren im Gegenteil außerordentlich breit gestreut. Er interessierte sich für Philosophie und war der Ansicht, dass die Energie die Grundlage aller Dinge ist, mit der sich alle Wissenschaften erklären lassen. Er engagierte sich für die bessere internationale Vernetzung der Wissenschaften und betrieb die Einrichtung einer "Plansprache" zur besseren weltweiten Verständigung. Auch malte er und beschäftigte sich mit Farbenlehre. Schon 1911 schrieb er ein Buch über die Bedeutung der Sonnenenergie und deren mögliche Nutzung.
1909 veröffentlichte Ostwald seinen Aufsatz "Wider das Schulelend". Darin prangerte er die bis dahin unternommenen Versuche einer Schulreform an und benannte die "beiden großen Sonnen des Erziehungswesens der Zukunft, die da heißen: Wissenschaft und Liebe. Wissenschaft von den Kindern und Liebe zu ihnen." Er nennt Kindergarten und Universität in Deutschland als Beispiele, wo diese Kombination gelingt, und schreibt im Weiteren: "Die Schule, insbesondere die mittlere Schule, geht nicht so mit den Energien unserer Kinder um, daß diese sich steigern, wie es ihrem Alter entspricht, sondern so, daß sie frühzeitig erschöpft werden." Ostwald plädiert für eine Orientierung an Idealen, die der jeweiligen Zeit entsprechen, anstelle von rückwärtsgewandten Ideen. Er fordert weiterhin die Abkehr von einer gleichförmigen Ausbildung und regt stattdessen an, jeden nach seinen Begabungen zu fördern. Ein erstaunlich moderner Text!
Der Text im Original ist hier zu finden.
Haben Sie sich auch schon einmal gefragt, ob die großen Erdgasfackeln an Ölfeldern wirklich sein müssen? Erdgas ist doch ein wertvoller Rohstoff. Diese Gedanken haben sich auch die Forscher des Berliner Exzellenzclusters UniCat ("Unifying Concepts in Catalysis") gemacht und ein Projekt zu katalytischen Umwandlung von Methan zu Ethylen ins Leben gerufen. In diesem Film wird es vorgestellt.
Kontaktlinsen sind praktische kleine Helfer: Im Gegensatz zur Brille beschlagen sie nicht, beim Sport bleiben sie an ihrem Platz, und verschmieren tun sie auch nicht. Halt, doch, verschmieren können sie: Wenn man die Kontaktlinsen trägt, entstehen auf ihnen milchige Ablagerungen - man sieht es deutlich, wenn man die Linsen aus den Augen nimmt. Dabei handelt es sich um Proteine, die schnell denaturieren und einen unlöslichen Film bilden. Wenn sie nicht entfernt werden, schädigen sie die Kontaktlinsen und langfristig auch die Augen.
Um sie gründlich zu entfernen, reichen die traditionellen Wasserstoffperoxidreiniger nicht aus. Auch Komplexbildner, die in anderen Reinigungslösungen enthalten sind, beseitigen die Ablagerungen nicht vollständig. Deshalb setzen moderne Kontaktlinsenreiniger auf Enzyme. Sogenannte Proteasen spalten Eiweiße; manche Vertreter dieser Gattung zielen dabei nur auf ganz bestimmte Aminosäure-Verknüpfungen in der Proteinkette, andere zerschnippeln einfach alles, was ihnen vor das aktive Zentrum kommt. Gerade diese sind für die Kontaktlinsenreinigung besonders geeignet, denn dort geht es darum, die Eiweiße in möglichst kleine Stücke zu zerlegen, damit sie von der Oberfläche abgespült werden können. Leider kann man die Enzyme nicht einfach mit in den Standardreiniger packen, dafür sind sie zu empfindlich; sie werden deshalb in speziellen Zusatzlösungen oder in Form von Tabletten angeboten.
Einen ausführlichen Artikel über Kontaktlinsen und die richtige Reinigung gibt es hier:
http://portal.uni-freiburg.de/janiak/veroffentlichungen/pdf/pdf106
Man braucht:
1 rohe Kartoffel
1 gekochte Kartoffel
1 Messer
Wasserstoffperoxid-Lösung (Achtung ätzend - Schutzbrille tragen)
1 flache Schale oder kleine Glasschüssel
Schneide ein Stück von der rohen Kartoffel ab, lege sie in die flache Schale und tropfe etwas Wasserstoffperoxid-Lösung darauf. Was passiert?
Wiederhole das Experiment mit der gekochten Kartoffel. Was passiert?
Erklärung:
Wenn das Wasserstoffperoxid mit der rohen Kartoffel in Kontakt kommt, entstehen Gasbläschen. Rohe Kartoffeln enthalten Enzyme, unter anderem Katalase. Katalase katalysiert die Zersetzung von Wasserstoffperoxid zu Wasser und Sauerstoff - das ist das Gas, das in den kleinen Gasbläschen sichtbar wird.
Katalase ist in praktisch allen Lebewesen, die Sauerstoff atmen, enthalten, denn bei den Oxidationsprozessen im Körper kann Wasserstoffperoxid als Nebenprodukt entstehen, und das ist für Zellen giftig. Die Katalase ist eines der wirksamsten Enzyme, das bisher gefunden wurde.
Wenn die gekochte Kartoffel in Kontakt mit Wasserstoffperoxid-Lösung kommt, passiert nichts. Enzyme wie die Katalyse Katalase sind Proteine, und die meisten Proteine denaturieren bei höheren Temperaturen, das heißt, ihre Struktur verändert sich so, dass sie ihre Wirkung verlieren (Ausnahmen bestätigen die Regel, s. Katalytischer Kalender vom 27. Januar). In der gekochten Kartoffel ist genau dies mit der Katalase geschehen, und die Zersetzung des Wasserstoffperoxids wird nicht katalysiert; es kommt zu keiner sichtbaren Reaktion.
Wer jetzt noch weiter experimentieren möchte, kann den gleichen Versuch auch noch mal mit geriebener Kartoffel oder einem Stück roher Leber durchführen.
Bild: Llez via Wikicommons
Bevor es die moderne Chemie gab, beschäftigten sich Alchemisten mit dem Wesen der Stoffe und damit, "was die Welt im Innersten zusammenhält". Aber entgegen der Vorstellung von schummrigen Kellern und dampfenden Kesseln, in die halb wahnsinnige Zottelbärte seltsame Ingredientien werfen, verbirgt sich hinter dem Begriff Alchemie ein umfassendes Theoriegebäude, in dem Naturwissenschaft, Philosophie und - zumindest aus heutiger Sicht - Esoterik zusammenfließen. Die Herstellung von Gold war dabei nur ein Nebenaspekt, der allerdings viele Quacksalber und Betrüger auf den Plan rief, die bis heute das Bild der Alchemie prägen.
Eine Grundlehre der Alchemie war die Auffassung, dass alle Stoffe aus einer Ursubstanz, der "prima materia" bestehen, die an sich eigenschaftslos ist. Erst durch die Übertragung von "Prinzipien" entstünden daraus verschiedene Substanzen. Mit "unedlen Prinzipien" versehen, bekommt man unedle Stoffe (zum Beispiel Blei), mit "edlen Prinzipien" edle Stoffe, also Gold. Indem man die Prinzipien austauscht, sollte man also einen Stoff in einen anderen umwandeln können. Auch in der Natur, so dachte man, wandeln sich unedle Stoffe ganz allmählich in edlere um.
Der "Stein der Weisen", nachdem die Alchemisten forschten, sollte diesen Vorgang beschleunigen, ohne dabei selbst verbraucht oder verändert zu werden. Klingt diese Beschreibung nicht bekannt? So gesehen entsprach die Vorstellung des Steins der Weisen einem sehr frühen Bild eines Katalysators.
Erst im 18. und 19. Jahrhundert, nicht zuletzt dank verbesserter Messmethoden, entwickelte sich ein Verständnis für den Aufbau der Stoffe, das letztlich in die moderne Chemie mündete.
Eine ausführliche Auseinandersetzung mit dem Stein der Weisen, der Katalyse und dem Verhältnis zwischen Alchemie und Chemie gibt es hier
Bild: Joseph Wright of Derby [Public domain], via Wikimedia Commons
kann einem den Chemie-Nobelpreis einbringen. So geschah es dem Nobelpreisgewinner von 2000, Hideki Shirakawa. In den 70er Jahren beschäftigte er sich damit, Polyacetylen herzustellen, um die Wirkungsweise von Ziegler-Natta-Katalysatoren besser zu verstehen. Ziegler-Natta-Katalysatoren sind eine Gruppe von metallorganischen Katalysatoren, die bei der Herstellung von Polymeren, also langen Ketten aus organischen Molekülen, eingesetzt werden.
Das Polyacetylen, das üblicherweise bei Shirakawas Versuchen herauskam, war ein schwarzes Pulver. Doch eines Tages versuchte sich ein Gastwissenschaftler an der Reaktion - und erhielt statt des gewohnten schwarzen Pulvers einen silbrigen Film. Shirawaka war fasziniert - was war geschehen? Er wiederholte das Experiment unter verschiedensten Bedingungen und stellte schließlich fest, dass das Produkt je nach Katalysator unterschiedlich aussah. Der Gastwissenschaftler hatte versehentlich die tausendfache Menge an Katalysator in den Kolben gegeben! Normalerweise war viel weniger Katalysatormaterial in der Reaktion; die Acetylen-Moleküle mussten also "Schlange stehen" und wurden nach und nach umgesetzt. Shirakawa verwendete einen Katalysator, der gut in organischen Lösungsmitteln löslich war. Dadurch, dass nun soviel Katalysator vorhanden war, lief die Reaktion nicht nach und nach ab, sondern so schnell, dass das eingeleitete Acetylen-Gas sich auf einen Schlag als Polymerfilm auf der Oberfläche der Lösung mit dem Katalysator niederschlug. Obwohl der Katalysator also selbst nicht verbraucht wird und ein Katalysatormolekül viele, viele Moleküle bei der Reaktion begleiten kann, ist es nicht egal, wie viel Katalysator in einer Reaktion vorhanden ist.
Den Nobelpreis erhielten Shirakawa und zwei Kollegen schließlich für ihre Untersuchungen zur Leitfähigkeit und die Herstellung von Halbleitern auf Polyacetylenbasis. Der Anfang der Geschichte ist vielleicht ein Trost für viele Studenten und Doktoranden, deren Rechenfehler nicht in einen Nobelpreis mündeten - auch so kann's gehen!
Mehr über Hideki Shirakwa und seinen Nobelpreis
(zu singen auf die Melodie von "Zwei kleine Italiener")
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Zwei Katalysatoren, Die Moleküle kommen Palladium und Platin, Die Katalysatoren, Produkte fließen weiter, Zink, Tantal und Eisen |
Bild: © annette shaff - Fotolia

Das, was der normale Mensch unter Katalysator versteht, ist eigentlich nur ein kleiner Teil des katalytischen Konverters. Der sorgt dafür, dass die Schadstoffbelastung von Fahrzeugabgasen drastisch reduziert wird. Der Konverter besteht im wesentlichen aus einem keramischen Träger mit Wabenstruktur. Darauf wird der Washcoat aufgetragen, eine poröse Schicht, die vor allem die Oberfläche erhöhen soll. Und darauf schließlich ist die eigentliche Katalysatorschicht aus Platin, Palladium und Rhodium - 2 bis 3 Gramm Edelmetall verteilt auf die Fläche von rund 5 Fußballfeldern!
Der Katalysator sorgt im Fahrzeug dafür, dass Kohlenwasserstoffe und Kohlenmonoxid vollständig zu CO2 und Wasser verbrannt werden. Stickoxide dagegen werden mit Hilfe von Kohlenmonoxid zu Stickstoff reduziert.
1984 wurden Katalysatoren in Deutschland eingeführt. Voraussetzung dafür war das bleifreie Benzin, denn Blei "vergiftet" die Katalysatoren und macht sie unbrauchbar. Ähnlich wie beim Biosprit waren die Vorbehalte anfangs groß - kann ein Motor mit sowas überhaupt umgehen? Nun, die Motoren konnten, und die ersten Katalysatoren rollten über Deutschlands Straßen. Anfangs waren das relativ simple Geräte, und was sie an Schadstoffen umsetzten, war mehr oder weniger vom Zufall abhängig.
Moderne Dreiwegekatalysatoren beseitigen mehr als 95 % der schädlichen Emissionen. Bei der Anordnung im Fahrzeug wird darauf geachtet, dass der Katalysator möglichst schnell hochgeheizt wird, denn erst bei etwa 500°C arbeitet er optimal. Eine ganze Menge High-Tech also, die wir da spazieren fahren!
"Am Golde hängt, zum Golde drängt doch alles" - wie wahr. Platin hingegen interessierte eine ganze Zeit lang nicht; es war vielmehr lästiges Beiprodukt der Goldgewinnung und wurde sogar in Flüssen versenkt. Mitte des 18. Jahrhunderts brachten Wissenschaftler das Metall aus Südamerika mit nach Europa, wo es die Neugier der Forscher erregte. Auch der deutsche Chemiker Johann Wolfgang Döbereiner, nicht nur ein Namens-, sondern auch ein Zeitgenosse Goethes, war von dem "mit höchst merkwürdigen Eigenschaften begabte[n] edle[n] Metall" beeindruckt. Berühmt geworden ist er durch das Döbereiner-Feuerzeug, das bis heute ein Klassiker der Katalyse-Experimente geblieben ist. Dabei hatte er aber die katalytischen Eigenschaften des Platins schon früher genutzt - wenn auch ohne seine Entdeckung so richtig benennen zu können. In seiner Schrift "Über Platin" von 1835 beschreibt er höchst eindrücklich: "Derselbe [der Verfasser] fand nämlich […], daß das auf nassem Wege reducirte Platin den mit ihm in Berührung gesezten Alkohol bestimmt, aus der Luft schnell so viel Sauerstoffgas anzuziehen, daß er dadurch erst in Sauerstoffäther und dann in Essigsäure verwandelt wird." Wenig später folgte die Entdeckung, dass sich Wasserstoffgas an der Luft bei Kontakt mit Platin entzündet. Döbereiner versuchte dies damit zu erklären, dass "das auf nassem Wege reducirte oder isolierte Platin die Eigenschaft habe, eine große Menge Sauerstoffgas zu absorbiren und dieses so zu verdichten, daß es fähig wird, sich mit mehreren leicht oxydablen Substanzen chemisch zu verbinden". Er beschrieb das als "mechanische Verbindung des Platins mit Sauerstoffgas". Dabei lag er erstaunlich richtig, wie man heute weiß. Generationen von Schülern haben gelernt, dass Wasserstoffgas auf der Platinoberfläche adsorbiert wird. Neuere Untersuchungen haben aber gezeigt, dass die Platinoberfläche in der Tat mit Sauerstoff belegt ist (eigentlich auch logisch, wenn das Platin an der Luft ist). Der Wasserstoff reagiert damit zu sehr kurzlebigen Wassermolekülen, die sich wiederum mit benachbartem Sauerstoff zu adsorbierten OH-Teilchen umwandeln. Erst, wenn die ganze Oberfläche damit belegt ist, bildet sich schließlich Wasser. Döbereiner lag also gar nicht so falsch - und das, bevor das Wort Katalyse überhaupt erfunden war!
(Bild: P. Amand Kraml, Sternwarte Kremsmünster)
Vom Schweinemist zum Plasma-Katalysator; ein ganz schöner Spannungsbogen. Worum geht es? Nun, die Intensiv-Tierhaltung bringt erfahrungsgemäß Probleme mit sich, nämlich zum Beispiel die Frage: Wohin mit der Gülle? Schweinegülle enthält bis zu 4 kg/m³ Ammonium; es belastet bei unkontrollierter Ausbringung Böden und Gewässer und stellt außerdem eine erhebliche Geruchsbelästigung für Anwohner dar. Die meisten Verfahren zur Weiterverarbeitung von Gülle senken die Ammoniakgehalte nicht. Deshalb forschen Wissenschaftler in Ungarn im Rahmen des EU-Projektes PLASMANURE an einem kostengünstigen Verfahren, um mit Hilfe eines Plasma-Katalysators Ammoniak bzw. Ammonium in Stickstoff und Wasserdampf umzuwandeln.
Plasma-Katalyse ist ein Verfahren, bei dem Plasma und Katalyse verknüpft werden (so weit, so einleuchtend). Wenn man einen Feststoff erhitzt, wird er erst flüssig und dann zum Gas. Erhitzt man dieses weiter (oder führt auf andere Weise, zum Beispiel durch elektrische Entladung, Energie zu), entsteht ein Plasma. Ein "kaltes Plasma", das durch eine Entladung erzeugt wird, hat eine mittlere Temperatur von unter 30 °C; trotzdem ist es sehr energiereich. Es enthält viele Ionen, ist aber nach außen elektrisch neutral. Bei niedrigen Temperaturen lagern sich organische Moleküle oder Ammoniak gerne auf Katalysatoroberflächen an; bei höheren Temperaturen werden sie unruhig und bewegen sich mehr und sind deshalb seltener auf den Oberflächen zu finden. Im Plasma ist es nicht heiß; die Moleküle können sich also am Katalysator "ausruhen". Gleichzeitig liegen im energiereichen Plasma aber anstelle von gemütlichen Sauerstoffmolekülen O2 streitlustige Ozonmoleküle O3, unausgeglichene O-Ionen oder beziehungshungrige O-Radikale vor. Solche Sauerstoffradikale sind sehr reaktiv, wie man spätestens aus der Kosmetikwerbung weiß. An der Katalysatoroberfläche treffen also angelagerte NH3-(Ammoniak)Moleküle, deren Bindungen durch den Katalysator schon gelockert sind, auf O-Spezies auf Partnersuche. Wie das endet, kann man sich leicht vorstellen - H lässt sich vom rührigen O verführen und macht sich als H2O davon, die sitzengelassenen Ns trösten sich gegenseitig und verschwinden als unschädliches N2 (Stickstoff) in die Atmosphäre.
So kann man bei vergleichsweise niedrigen Temperaturen eine vollständige und schnelle Reaktion von organischen Substanzen oder eben von Ammoniak mit Sauerstoff erreichen.
Mehr zum Projekt Novel plasma-catalyst reactor for the total conversion of the ammonia contained in pig manure into environmental neutral products unter http://www.plasmanure.eu/
...und viele Bilder sagen dementsprechend noch viel mehr - also Knabberzeug hervorholen, Füße hochlegen und diesen Film über Katalyse genießen!
Produziert von der University of Southampton (Moniek Tromp, Jeroen Klijs, David Read, Gill Reid, John Evans) im Rahmen der europäischen Forschungsnetzwerke IDECAT und ERIC;
Animationen, Filme, Regie und Produktion by mark Breakwell WOWMedia
Ein Katalysator aus Gold
War einem Zucker sehr hold.
Doch es war nicht von Dauer,
denn der Zucker ward sauer
und hat sich beleidigt getrollt.
Wer nach einer Erklärung für Katalyse sucht, findet verschiedene Bilder: Katalysatoren wirken als "Heiratsvermittler" und bringen Moleküle zusammen, die sich sonst nicht gefunden hätten. Oder als "Bergführer", die anstelle des Luftlinie-Weges über den Gipfel den Substanzen den etwas längeren, aber viel bequemeren Weg über den Pass zeigen.
Wer mit Lego aufgewachsen ist, dem hilft vielleicht noch ein anderes Bild: Da will man etwas Neues bauen, und dann hängen die verflixten Steine aneinander wie Pech und Schwefel. Man sitzt auf dem Boden und schreit nach - dem Katalysator: Er trennt freundlicherweise die Steine und hält sie einem hin, damit man etwas Neues daraus bauen kann.
Mit welchem Bild auch immer Sie am meisten anfangen können - der Heiratsvermittler, der zwei widerstrebende Partner zusammenführt, die sich hinterher doch innig lieben und miteinander verbinden, der Bergführer, der einem erspart, über den hohen Energieberg zu klettern, oder der freundliche Helfer beim Legobau… merken Sie sich einfach: Ein Katalysator sorgt dafür, dass zwei Moleküle, die sonst ziemlich unbeteiligt voneinander bleiben würden, miteinander reagieren können. Er tut das, in dem er die Energie, die für den Start der Reaktion nötig wäre, herabsetzt, also den Bergpass zeigt oder die Legosteine lockert. Und er selbst bleibt freundlich lächelnd daneben stehen und kann seine hilfreichen Dienste dem Nächsten anbieten.
Nächste Woche wird es dann etwas unernster... wir starten mit der Katalytischen Lyrik!
Ein Jahr lang werden hier jeden Freitag kleine Beiträge zur Katalyse zu lesen sein - Lehrreiches, manchmal Bekanntes, hoffentlich häufig Neues, Überraschendes, Kurioses, Unterhaltsames aus der Geschichte der Katalyse, zu ihren Grundlagen und Erscheinungsformen und aus der aktuellen Forschung. Denn Katalysatoren sind überall: als Enzyme im Körper, zur Luftreinhaltung im Auto und zur Herstellung von Kunststoffen, Medikamenten und vielem mehr in der Chemieanlage. Katalysatoren machen Reaktionen erst möglich, die sonst nur mit immensem Energieaufwand oder gar nicht ablaufen würden. Doch wer weiß schon, dass Enzyme in ägyptische Mumien nach über 1.000 Jahren noch funktionieren? Oder wie Elektrokatalyse funktioniert? Ohne Katalyse gäbe es nicht nur keine Plastiktüte, sondern kein Leben. Grund genug für die Deutsche Gesellschaft für Katalyse, diese Disziplin ein ganzes Jahr lang von allen Seiten zu beleuchten. Dabei soll bei allem wissenschaftlichen Inhalt die Unterhaltung nicht zu kurz kommen - dafür sorgen nicht nur Kuriositäten aus der Katalyse-Welt, sondern auch die "Katalytische Lyrik". Neugierig? Dann kommen Sie wieder... nächsten Freitag geht es los!